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Esslernschule auch in diesem Jahr erfolgreich in Mosbach

Die neue Erfahrung sich selbst ernähren zu können, der Kontakt zur Welt über das Essen und Schmecken hat viele positive Nebenwirkungen: Die Welt wird groß und neu, Erbrechen hört auf, man wird plötzlich mobil und kann/darf die Wohnung verlassen und man kann selbst bestimmen und essen und leben, wie alle anderen Menschen auch

Dieses Jahr konnten 9 Kinder aus USA, Gibraltar, den Niederlanden und natürlich aus Deutschland diese Erfahrung zusammen mit ihren Eltern und Geschwistern machen und mit einem neuen Lebensgefühl nach Hause fahren. Wie im Vorjahr stellte die Johannes-Diakonie dem Verein Leben ohne Sonde e.V. die Räumlichkeiten des Kindergartens „Die Kleckse“ während der Pfingstferien zur Verfügung, sodass zum zweiten Mal erfolgreich eine 14tägige Esslernschule in Deutschland durchgeführt werden konnte.

Sieben der Kinder (zwischen 16 Monaten und 9 Jahre alt) wurden bisher mit Sonden ernährt. Alle hatten eine fast unbeschreibliche Fülle von Krankheiten und Operationen durchgemacht. Diese 9 Kinder gemeinsam waren schätzungsweise bisher über 10 Jahre auf Intensivstationen gepflegt worden. Sowohl die medizinische Betreuung bis hierher, als auch der Einsatz der Eltern kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Jetzt kamen sie nach Mosbach, um einen der letzten Mosaiksteinchen auf dem Weg zu einem gesunden Alltagsleben zu gehen.

Besondere Beachtung gilt dem Einsatz der beiden Schwestern Mona und Reda Wefing, die im Vorjahr ihren Bruder bei der Therapie begleiteten. In diesem Jahr verbrachten die beiden 15- und 16 Jahre alten Schülerinnen ihre Pfingstferien damit, bei der Esslernschule aktiv mitzuhelfen. Als Grund für ihren freiwilligen Einsatz gaben sie spontan an: „Es macht Spaß! Außerdem ist es sehr interessant, dasselbe aus einer komplett anderen Position zu erleben. Im letzten Jahr waren wir als Familie des "Patienten" in Mosbach. Dieses Jahr gehörten wir zum Team und konnten mit in die medizinischen Visiten gehen und in der Besprechung sitzen. Das ist total interessant, weil man auf diesem Wegen unglaublich viel über die Familien und ihre Kinder erfährt. Seit der Zeit in Mosbach im Vorjahr hat unser Bruder es sogar geschafft, mit einem Löffel zu essen. Ein Erfolg, an den vorher nie jemand geglaubt hätte.“

Nach den Eindrücken und Erfahrungen während der beiden Esslernschulen in Mosbach überdenkt Reda ihren Berufswunsch: Vielleicht studiert sie nach dem Abitur doch Kindermedizin.

 Foto: Privat